Businessplan

Wer ein Unternehmen gründet oder ein Unternehmen führt, kommt am Aufbau eines Business Plans nicht vorbei. Denn der Business Plan bildet das gesamte Konzept des Unternehmens in kompakter Form ab. Doch wie sollte ein Businessplan aussehen? Die eine Lösung gibt es dafür nicht. Aber in der Praxis existieren sinnvolle Vorschläge zur Dokumentation von Geschäftsmodell, Marktanalyse, Unternehmensform etc.

Aufbau Business Plan

Tobias Trapp, Projektingenieur und Studierender im berufsbegleitenden Masterstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der htw saar, hat Ihnen dazu einige wichtige Informationen zusammengestellt. Sie erreichen Herrn Trapp unter: Privates Profil von Tobias Trapp bei XING

Demnach sollte der Businessplan wie folgt aufgebaut sein:[1]

  • Unternehmenskonzept /Exekutiv Summary
    1. Unternehmensform (Rechtsform)
    2. Produktbeschreibung (Darstellung der wichtigsten Produkte und Dienstleistungen)
    3. Zielgruppe (Wer soll angesprochen werden?)
    4. Vorteile / Nutzen für den Kunden (Alleinstellungsmerkmale)
    5. Wettbewerbssituation (Wer sind die Konkurrenten?)
    6. Vorteile gegenüber der Konkurrenz (Unterscheidung von den Mitbewerbern)
    7. Unternehmensstrategie (langfristige Positionierung des Unternehmens)
  • Markt und Marketing
    1. Marktvolumen (Wieviel Umsatz wird gemacht?)
    2. Marktanteil (angestrebter oder realisierter Umsatz im Vergleich zum Marktumsatz)
    3. Wettbewerber (inkl. Benennung der wichtigsten Mitbewerber)
    4. Absatzmengen (als Basis der Umsatzplanung)
    5. Preis (im Sinne einer Preispolitik)
    6. Marketing (inklusive Werbung, aber grundsätzlich der gesamte Marketing-Mix auf Basis der Marketingstrategie)
    7. Standort des Unternehmens
  • Kapazitätsplanung
    1. Kapazitätsermittlung (Welche Leistung kann erbracht werden?)
  • Einkauf / Produktion / Investitionen
    1. Benötigte Fertigungsmaterialien, Betriebsstoffe (wichtig für Industriebetriebe)
    2. Benötigte Anlagen (betriebsnotwendiges Anlagevermögen)
  • Personal / Miete / sonstiger Aufwand
    1. Benötigtes Personal (passend zur Kapazitätsplanung)
    2. Personalkosten (abgeleitet aus dem benötigten Personal)
    3. Personalnebenkosten
    4. Mietkosten & Nebenkosten (für die genutzten Betriebsräume)
    5. Kosten von Forschung und Entwicklung (wichtig für innovative Unternehmen)
    6. Gründungsaufwand (Einmalaufwand bei Unternehmensgründungen)
  • Finanzplanung
    1. Kassenanfangsbestand (zur Sicherung der Liquidität)
    2. Einzahlungen (vor allem aus Umsätzen)
    3. Auszahlungen (vor allem für die laufenden Kosten und für Investitionen)
    4. Kassenendbestand (zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit)
  • Plan GuV
    1. Umsatzerlöse (abgeleitet aus dem Absatzplan)
    2. Betriebsergebnis (EBIT)
    3. Gewinn vor Steuern
    4. Gewinn nach Steuern
    5. Bestandsbewertung (falls eine Lagerhaltung vorgesehen ist)
  • Plan Bilanz
    1. Aktiva (Vermögenswerte: Anlagevermögen, Umlaufvermögen)
    2. Passiva (Kapitalpositionen: Eigenkapital, Fremdkapital)
  • Kapitaldienstberechnung und Kennzahlen
    1. Cashflow (liquiditätsorientierte Gewinngröße)
    2. Eigenkapitalrendite (lohnt sich das Investment?)
    3. Verschuldungsgrad (als Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital)
    4. Gesamtkosten (insbesondere im Vergleich der einzelnen Perioden)
    5. Gewinn nach Steuer (was bleibt am Ende übrig?)
    6. Liquidität 1. bis 3. Grades (wie viel Zahlungsmittel sind nötig?)
    7. Return on Investment (Verzinsung des eingesetzten Kapitals)

Hinweise zur Business Plan – Konstruktion

Nachfolgend finden Sie noch einige Hinweise zu ausgewählten Positionen aus dem Business Plan.

Unternehmenskonzept/ Executive Summary

Zunächst müssen Sie das Unternehmenskonzept beschreiben. Dabei sind für eine erfolgsversprechende Geschäftsidee folgende Punkte von wesentlicher Bedeutung:

  1. Unternehmensform
  2. Produktbeschreibung
  3. Zielgruppe
  4. Vorteile / Nutzen für den Kunden
  5. Wettbewerbssituation
  6. Vorteile gegenüber der Konkurrenz
  7. Executive Summary

Zu Beginn wird für das geplante Unternehmen die geeignete Geschäftsform gewählt. Hierzu steht Ihnen beispielsweise eine Kapitalgesellschaftsform (GmbH, AG) oder eine Personengesellschaftsform (OHG, KG) zur Verfügung.

Unter dem Punkt Produktbeschreibung sind die Bedürfnisse der Kunden an das Produkt hinsichtlich Qualität, Zeit und Preis zu definieren. Der Kunde sucht meistens nach einer optimalen Lösung für ein bestehendes Problem. Hierbei sollten die Zielgruppen definiert sowie die Vorteile des Kunden aufgelistet werden. Eine kurze Beschreibung der aktuellen Wettbewerbssituation ist zu schildern, sowie die Vorteile gegenüber der bestehenden Konkurrenz sind zu nennen.

Die Executive Summary ist eine kurze und präzise Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des Unternehmenskonzeptes. Dieser Teil des Businessplanes ist für potenzielle Kapitalgeber von besonderem Interesse und dient als wesentliche Entscheidungsgrundlage.

Markt und Marketing im Businessplan

Oftmals ist ein gutes Produkt noch keine Garantie für ein florierendes Geschäft ist. Daher sollten Sie den Markt Ihres Unternehmens näher betrachten. Außerdem spielen die vier klassischen Instrumente des Marketing-Mix (Produkt, Place, Price, Promotion) hierbei eine wesentliche Rolle.[2]

Erforschung des Marketing-Mix
Produkt:

–        Produkttestmärkte

–        Imageuntersuchung

Preis:

–        Preisanalysen

–        Preiselastizitäten

–        Preisabsatzfunktionen

Distribution:

–        Absatzweganalysen

–        Distributionserhebungen

–        Vetriebsaudits

Kommunikation:

–        Werbeträgeranalysen

–        Imageanalysen

Die Einsatzgebiete umfassen alle Umfelder des Unternehmens, die Sie näher betrachten sollten. Mit Hilfe der Bestandteile des Marketing-Mix ist es möglich, zahlreiche Analysen durchzuführen, um Entscheidungen bei der Unternehmensgründung zu erleichtern.[3]

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Wettbewerbsanalyse. Eine Wettbewerbsanalyse soll einen Überblick über das Umfeld der Konkurrenten verschaffen.[4] Dieses Wissen ist wichtig, um geeignete Unternehmensstrategien zur Marktbearbeitung entwickeln zu können.[5] Ziel ist dabei die Gegenüberstellung von Positionen der Wettbewerber mit der eigenen gewünschten Position, um unter anderem Anhaltspunkte über die zukünftige Entwicklung Ihres Unternehmens zu erhalten.[6] Als ein weiteres Ziel der Wettbewerbsanalyse ist zu nennen, das Verhalten der Konkurrenz zu beurteilen und umfassende Informationen über vorhandene und potentielle Wettbewerber zu erhalten, um sich rechtzeitig an veränderte Strukturen anzupassen.[7] Mithilfe der Marktforschung können Sie zusätzlich das Marktvolumen sehr gut abgeschätzen, woraus Sie auch den eigenen Marktanteil bestimmen können. In der Gründungsphase eines Unternehmens spielt der Markteinteil nur eine untergeordnete Rolle. Anders sieht es aus, wenn Ihr Unternehmen schon länger am Martk besteht.

Fertigungsplanung

Für zu planende Industrieunternehmen spielt auch die Fertigungsplanung im Business Plan eine wichtige Rolle. Aus den geplanten Absatzmengen ergeben sich die zu produzierenden Stückzahlen. Um diese herstellen zu können, sollten Sie eine konkrete Fertigungsplanung erstellen, um zu überprüfen, ob die budgetierten Absatzzahlen überhaupt auch gefertigt werden können. Hierbei sind Kriterien wie ein Schichtsystem oder die Planung des Layoutes der Fertigungshalle ausschlagebend. Auch sollen die Fertigungsprozesse überwiegend automatisiert ablaufen.

Aus den zuvor definierten Stückzahlen kann nun der Einkauf die benötigten Materialien bestellen. Für die Produktion sind zudem die Fertigungsmaterialien sowie Betriebsstoffe notwendig. Auf die Lagerung von Produkten sollte möglichst verzichtet werden, da durch die entstehenden Bestände das Kapital gebunden ist. Zudem enstehen durch Bestände hohe Lagerkosten, auf die möglichst verzichten werden sollte.

Bei der Investition in Maschinen sollten Sie darauf achten, möglichst wirtschaftlich fertigen zu können, was möglicherweise über einen geringen Anschaffungspreis und eine hohe Energieeffizienz der Maschinen zu erreichen ist.

Listenverkaufspreis

Um sich erfolgreich auf dem Markt zu positionieren, ist eine genaue Preiskalkulation notwendig. Sind die Preise zu hoch angesetzt, kann sich ein Produkt, sofern es nicht dank seiner Qualität überzeugt, auf dem Markt nur schwer etablieren. Zusätzlich ist eine Überprüfung der Planpreise auf Basis der Stückkosten der Produkte aus der Kostenrechnung notwendig.

Finanzplanung

Der Finanzplan ist das Herzstück eines jeden Businessplans. Dieser stellt die Unternehmensentwicklung in Zahlen dar und gibt damit Aufschluss, ob sich die Gründung  oder Führung des Unternehmens auch wirtschaftlich lohnt. Gleichzeitig zeigt die Finanzplanung auf, wieviel Kapital zur Finanzierung der Unternehmengründung oder Unternehmensfortführung notwendig ist. Ein guter Finanzplan ist damit ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Finanzierung des Vorhabens.

Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Die Gewinn- und Verlustrechnung ist ein wesentlicher Teil des Jahresabschlusses eines Unternehmens. Aus der Erfassung von Erträgen und Aufwendungen ergibt sich der Jahresüberschuss oder der Jahresfehlbetrag. Außerdem zeigt der GuV-Plan auf, ob sich die geplante Geschäftsidee überhaupt rechnen kann oder.

Quellenhinweise zu den Informationen zum Business Plan

[1] https://www.existenzgruender.de/DE/Gruendung-vorbereiten/Businessplan/Gliederung/inhalt.html

[2] https://www.unternehmenswelt.de/businessplan-inhalt.html

[3] Christian Huldi: Database-Markting. St. Gallen : Rheintaler Druckerei und Verlag AG, 1992, Seite 77

[4] Johannes Deltl,:  Strategische Wettbewerbsbeobachtung. Wiesbaden : Gabler Verlag, 2004, Seite 20

[5] Christian Homburg und Harley Krohmer: Marketingmanagement, Strategie-Instrumente-Umsetzung-Unternehmensführung. Wiesbaden : Fachverlagsgruppe Springer Science+Buisness Media, Seite 460

[6] Nicole Hamelau: Strategische Wettbewerbsanalyse. Münster : Springer Verlag, 1. Auflage [e-Book], Seite 4

[7] Peter Kairies: So analysieren Sie Ihre Konkurrenz. Renningen : Expert Verlag, 6. neu bearbeitete Auflage, Seite 20

Tool zur Business Plan – Erstellung

Auch Maik Saidah, ebenfalls Studierender im berufsbegleitenden Masterstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der htw saar in Saarbrücken, hat sich Gedanken zum Aufbau des Businessplans gemacht. Nachfolgend finden Sie seinen Vorschlag zum Aufbau des Finanzplans im Business Plan, dem Herzstück einer jeden Unternehmensplanung. Außerdem erhalten Sie eine Anleitung, die Ihnen erklärt, wie Sie das Tool, das mit Beispieldaten versehen ist, für eigene Zwecke nutzen können.

Business Plan von Maik Saidah

Handlungsanweisungen zum Business Plan von Maik Saidah

Sie erreichen Maik Saidah über seine persönlichen Profile:

Maik Saidah bei Xing oder Maik Saidah bei Linkedin

Weitere Literatur zum Businessplan

Wenn Sie sich über diesen Beitrag hinaus für das Thema Businessplanning und Unternehmensgründung interessieren, seien Ihnen zu Abschluss noch die beiden folgenden (eher preiswerten) Bücher empfohlen (beide verlinkt zu Amazon):

Ivan Stefanovic: Business Plan Vorlage und Beispiel: Wie Sie einen Business Plan erstellen, 14,99 Euro

Stefan Georg: Fragen und Antworten zur Existenzgründung, 9,90 Euro

 

 

Überblick
Businessplan: Lohnt sich ein Geschäftsmodell?
Titel
Businessplan: Lohnt sich ein Geschäftsmodell?
Inhalt
Der Businessplan zeigt die Planung eines bestehenden oder zu gründenden Unternehmens hinsichtlich der Aussicht auf Wirtschaftlichkeit und Rentabilität eines Geschäftsmodells.
Autor
Tätigkeit
Dozent an der htw saar
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